Lukas Droese

Lukas Droese

Das Leben ist nicht das Märchen, in dem wir als Protagonisten frei von Sorgen und Angst durch das Leben stolzieren können. Oftmals finden wir uns alle einmal an den Punkten wieder, wo wir nicht wissen, ob die Wege vor uns mit den Antworten zu unseren Fragen gepflastert sind. Aber das müssen sie auch gar nicht. Es sind diese ungewissen Erkenntnisse, die einen in den skurrilsten Momenten überfallen und die sich doch mit viel Glückseligkeit behaften. Solche „Umwege“ sind auch diese, über die Lukas Droese ein Lied von singen kann. Oder zehn.

Auf seinem neuen Album UMWEGE sucht der charismatische Deutschpoet nach dem Sinn hinter jedem Gedanken, nach den Farben seiner Träume und irgendwie auch nach sich selbst. Mit herzergreifender Melancholie sinniert Lukas Droese über all die verpassten und genutzten Chancen des Lebens und wie sich all jene Pfade irgendwie doch immer kreuzten und zu dir führten. Kaum einem Songwriter der Gegenwart gelingt es so eindrucksvoll, die allgegenwärtigen großen und kleinen Probleme in solch optimistische Klänge zu verpacken. Und so wundert es auch nicht, dass man nach all der „Regenzeit“ über sich selbst hinaus wächst.

Im Schatten all dieser Identitätskrisen kann der Narrativ des Albums nicht aktueller denn je sein – wer sind wir eigentlich wirklich und was treibt uns an die eigenen Dämonen zu überkommen. Wann immer wir unser eigenes Herz auf Reisen schicken, hoffen wir, dass es in einem sicheren Hafen des Lebens ankommt. Die Stürme und Gezeiten jener Abenteuer sind letztlich die Lebensabschnitte, die unserer selbst die Kraft schenken, mit der jeder Morgen gelebt und geliebt werden kann – so wie Lukas in „Ich sing’ immer noch für dich“ den Grundkonsens aller Geschichten auf den Punkt bringt.

Auch Lukas Droese hat in seiner eigenen persönlichen und musikalischen Karriere schon einige Abkürzungen und Umwege hinter sich gelassen, die ihm zu den lyrischen Kontexten seiner Songs verhalfen. Nach einer EP und seinem Debüt-Album “Alles wird” fand er sich selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit wieder: Dank seiner zeitlosen Poesie, die an moderne Klangsymbiosen aus Andreas Bourani, Bosse oder Philipp Poisel erinnert, gesellte er sich als Songwriter schnell zu einem Dickicht großer Namen deutschsprachiger Liedermacher. Dennoch wirkt die Musik von Lukas Droese eher wie der Klang eines Herzens, als das Geratter eines Autoradios – und so verwundert es auch nicht, dass auf UMWEGE ebenfalls das qualitative Storytelling des Alltags im Mittelpunkt steht, anstatt melodiöse Jingles im

konventionellen Format zu schreiben. Diese Entscheidung wird dazu beitragen, dass man die Songs von Lukas Droese nicht nur an sonnigen Tagen genießt, sondern auch reflektierend bei Heimfahrten ans S-Bahn-Fenster gelehnt.

Doch was bleibt, nachdem die Kapitel jeder Geschichte ihren Abschluss gefunden haben und der Epilog niedergeschrieben scheint? So wie in „Bis wir verschwunden sind“ weiß kein Protagonist, wie man mit nahenden Krisen umgeht und ob ein jedes Ende auch wirklich eine Leere beinhaltet. Im Angesicht des Scheiterns erscheint es dystopisch an einer Fiktion festzuhalten, die für niemanden das Glück prophezeien kann, welches schon so oft versprochen und immer gebrochen wurde. Wer ist in unserem Leben wirklich Hauptdarsteller und wer nur ein Statist – wo finden wir das Happy End und erkennen wir die Moral unserer Geschichte, wenn sie sich uns offenbart?

Die Fragen, die uns in unserer eigenen Entwicklung gestellt werden, sind auch jene, die Lukas Droese auf seinem Album uns, einem Spiegel gleichend, vorhält. Lukas Droese versucht uns nicht eine Antwort auf all diese komplizierten Fragen zu geben – stattdessen versucht er uns den Halt zu geben, den es für die komplexe Suche nach Sinn und Unsinn benötigt. Es ist notwendig, dass wir auch an uns selbst zweifeln und uns in Frage stellen, all jene Wirrungen machen uns am Ende aus und erzeugen in uns die Empathie, mit der wir nicht nur uns selbst entwickeln können, sondern uns einander an die Hand nehmen und gemeinsam die Lautstärke zu Lukas Droeses neuem Album höher stellen. Weil er uns den Soundtrack unserer Generation schenkt, in dem wir uns mit jeder Zeile selbst entdecken.

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